Nach dem Unfalltod ihres Mannes hängt Tilly nicht mehr besonders am Leben. Sie igelt sich in ihrem Bremer Reihenhaus ein, ernährt sich ausschließlich von Ravioli und wartet auf die seltenen Erscheinungen des Verstorbenen. Der war allerdings nicht nur ihr Mann, sondern auch ihr Arbeitgeber, weshalb Tilly sich genötigt sieht, sich nach einem neuen Job umzusehen. Ohne Berufsausbildung oder abgeschlossenes Studium bietet sie ihre Dienste als Ghostwriterin an. Als sie halbherzig einen Auftrag annimmt, bei dem es darum geht, einen mutmaßlichen Betrüger während einer Gruppen-Bildungsreise in Italien zu beschatten, gerät sie in eine tödliche Falle.

Tilly gibt sich Mühe, sich in die unfreiwillige Rolle als Detektivin einzufinden, denn neben dem Verdienst erhofft sie sich auch Ablenkung von Schmerz, Trauer, Albträumen und Wahnsinn. Vor den Mitreisenden will sie deshalb ihre frische Witwenschaft verbergen. Tatsächlich schaffen es die Sonne, das gute Essen und die fachkundige Reiseleiterin, im Zusammenspiel mit den Kathedralen und Brunnen in Orvieto, Assisi und Siena ein bisschen Lebensfreude in Tilly zu wecken. Auch ihr verstorbener Mann hat sich durch die Flugreise nicht abschütteln lassen und erfreut sie mit gelegentlichen Besuchen. Außerdem gibt es da recht interessante Charaktere in der Reisegruppe.

Mit dem neuen Job will es aber nicht so recht klappen: Tilly ist keine Action-Heldin, sondern eher eine Träumerin. Zudem scheint das Observierungsopfer – Chef eines renommierten Oldenburger Damenwäscheunternehmens – ein Schürzenjäger, aber kein Verbrecher zu sein. Dann ein Todesfall in der Gruppe, der Fund von E 605, das Hotel im Ausnahmezustand und Tilly sitzt tatenlos dem Tod auf der Schippe. Bis sie beschließt, nicht nur zuzuschauen.

Tilly Klinke, Band 1: Eh nur Gast auf Erden